Die Realteilung von Oetker hat große Wellen geschlagen. wir-Redakteur Johannes Sill findet, dass die Option viel zu schlecht dargestellt wird.

Ob die Oetker-Gesellschafter wohl wussten, welche Unternehmen alle zum Konzern gehörten und welche Strategien diese fuhren, bevor sie sich auf die Verhandlungen zur Realteilung der Unternehmensgruppe vorbereiteten? Zumindest vom Unternehmen hieß es in einer Mitteilung, dass die Gesellschaftergruppen durch die Teilung ihre unterschiedlichen Vorstellungen zur Führung und Strategie der Gruppe überwunden haben. Heißt: Jetzt hat jeder Stamm was abbekommen, und die richtig wilden Streitereien sind damit – hoffentlich vom Tisch.

Ob die ALBA-Gesellschafter wohl wussten, dass aus Bielefeld die Nachricht einer Konzernteilung kommen würde, als sie ihrerseits die Verhandlungen zur Realteilung der Unternehmensgruppe vorbereiteten? Denn tatsächlich gaben nur einen Tag nach den Oetkers auch die Schweitzers bekannt, dass sie ihren Entsorgungs- und Recyclingkonzern unter sich aufteilen. Allerdings ist bei ihnen die Lage zumindest gesellschafterseitig etwas einfacher zu überblicken. Axel und Eric Schweitzer führen in zweiter Generation. Axel Schweitzer gibt sich als extrovertiert und ist weltweit, meistens in Asien unterwegs. Eric Schweitzer spricht seltener öffentlich und wird gern als das genaue Gegenteil seines Bruders beschrieben. Die Teilung zeigt klar, in welche Richtungen sich die beiden entwickeln wollen: Eric bleibt im Stammgeschäft in Europa, und Axel geht mit der neu gegründeten Konzerntochter Alba Group Asia, die nun ausgegliedert werden soll, in den von ihm so geschätzten asiatischen Markt. So weit, so gut.

Bemerkenswert ist schon eher, dass in der Berichterstattung zur Realteilung ausdrücklich betont wird: Einen Streit zwischen den Brüdern habe es nicht gegeben. Klar, Teilen und Trennen ist Arbeit und manchmal weder einfach noch schön. Das wissen die Schweitzers durch ihre Branche am besten. Aber muss deswegen jeder Realteilung erst ein Familienstreit vorausgehen? Es scheint, die allgemeine Betrachtung von Realteilungen ist ebenso negativ konnotiert wie rückwärtsgewandt, gepaart mit der etwas altertümlich anmutenden Idee von der Unversehrtheit des unternehmerischen Erbes als oberstes Ziel.

Die Familienmitglieder müssen offenbar Streit gehabt haben, womit die Realteilung zum kleineren Übel wird, um geschäftlich handlungsfähig zu bleiben. Was aber, wenn die Entscheidung mit Blick auf die zukünftige strategische Aufstellung des Unternehmens einfach schlicht Sinn ergibt? Dass die beiden Schweitzers in ihren neuen Rollen und realgeteilten Verantwortungen mit Blick auf Unternehmensstrategie und Unternehmenskultur womöglich besser arbeiten können als vorher, scheint kein gültiges Argument zu sein. Streit ist eben schnell erklärt. Strategie nicht.

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